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Die Zahl der Menschen, die mit einem Hund zusammen leben, wird in Deutschland, genauso wie in unseren Nachbarländern,  von Jahr zu Jahr größer. Es gibt kein anderes Haustier, das sich einer so großen Beliebtheit erfreut. Die Kehrseite ist: Dies ruft leider aber auch bei großen Teilen der Bevölkerung, die ohne Hund leben möchten, große Ablehnung und Angst hervor. Dabei gibt es gibt kein anderes Haustier, das sich den wandelnden Bedürfnissen und veränderten Lebensumständen des Menschen so nahtlos angepasst hat. Hunde tun dies seit Jahrtausenden.

Offensichtlich geben Hunde uns etwas, was in dieser Gesellschaft ansonsten rar geworden ist. Nach neusten Untersuchungen leben in Deutschland inzwischen rund 5,5 Millionen Hunde.Deutschlands Hundehaltung bewirkt einen jährlichen Umsatz von ca. 5 Milliarden Euro. Mit der Hundehaltung sind ca. 100.000 Arbeitsplätze direktverbunden.

Der heute viel diskutierte „Hund ohne Job“ ist ja auch keine neue Erscheinung. Er ist von seinen ursprünglichen Aufgaben, wie Jagen, Hüten und Bewachen entbunden und führt ein Leben als „Familienhund“.  Nach Untersuchungen aus dem Jahre 2008 liegt die Zahl der „Gebrauchshunde“, also „Hunde mit Job“, bei ungefähr einem Prozent aller gemeldeten Hunde.

Andererseits hat sich die Zahl der Hunde, deren einzige Aufgabe darin besteht, ihren Menschen oder ihre Familie glücklich zu machen, in den letzten 30 Jahren dramatisch erhöht. Sieht man sich aber mal an, welche Hunderassen als „sogenannter Familienhund“ bevorzugt werden, so wird eines der heutigen Probleme der Hundehaltung deutlichst sichtbar: Der größte Teil dieser Hunde stammt aus Arbeitshunderassen. An erster Stelle steht mit über 1 Million Exemplaren der Deutsche Schäferhund , gefolgt von Dackel, Terrier, Labrador- und Retrievern, Hüte- und Hirtenhunderassen sowie deren Mischformen. Die idealen „Familienhunderassen“?

Wir haben leider einen Zustand erreicht, der in den folgenden zwei Zitaten, sehr treffend beschrieben wird:

„Was müssen Haus-und Familienhunde aber noch lernen? Man kommt eigentlich nicht gleich darauf, aber im Grunde müssen sie heutzutage lernen... „kein Hundeverhalten“ zu zeigen.Herumstreunen beispielsweise, als eine der wesentlichen Verhaltensweisen von Hunden ist undenkbar. Sie dürfen nicht jagen, nicht mal die Nachbarskatze wegscheuchen. Sie dürfen nicht bellen. Sie dürfen sich vor allen Dingen nicht aggressiv verhalten. Müssen sich immer richtig verhalten und auch noch gute Manieren haben (kein öffentlicher Sex, und die Notdurft am besten hinter verschlossenen Türen).“
Michael Grewe

„Hunde sind nicht Lassie, sie denken und handeln nicht wie Menschen, Hunde sind anders. Hunde sind soziale Raubtiere: Sie suchen, schleichen sich an, jagen, zerren, bellen, erkunden ihr Revier, machen die Rangordnung aus. Alles ganz natürlich. -  Konflikte entstehen erst, wenn normales Hundeverhalten mit menschlichen Vorstellungen kollidiert.“
Jean Donaldson

Wen wundert es da noch, dass ein Riesenmarkt entstanden ist, dessen einzige Aufgabe darin besteht, aus Abkömmlingen einer Arbeitshunderasse mit adäquater genetischer Veranlagung einen möglichst „triebfreien“ Familienhund zu formen.

Dies ist ein Grund, warum es so viele Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten für Hunde gibt. Ein weiterer Grund ist natürlich die stark angestiegene Zahl der Hunde in Kombination mit dem politischen- und gesellschaftlichen Druck auf Hundehalter.

Liebe Hundefreunde, wir dürfen alles haben, nur keinen öffentlich auffälligen Hund.

Was auffällig ist, definieren auch nicht wir Hundebesitzer, sondern erst mal die Menschen ohne Hund. Allerdings sind sich ja selbst Hundebesitzer sehr oft uneins, was „normales“ Hundeverhalten ist – auch hier prägt der Zeitgeist.

Gibt es einen Weg aus diesem Dilemma?

Auch wenn diese Vorstellung leider „so schön“ ist: Wir müssen als erstes aufhören, Hunde als „kleine, bepelzte Menschen“ anzusehen. Das sind sie nicht und diese Rolle wird ihnen nicht gerecht, diese Rolle degradiert sie. Sie sind Hunde, Tiere mit wölfischer Abstammung, und selbst der kleinste Modehund zeigt dies in seinem Verhalten.

Machen wir es uns da mit unseren Erwartungen an den Partner Hund nicht zu einfach? Ist es gerecht, dass wir ihm die ganze Arbeit und Verantwortung auflasten? Wie steht es mit dem Wort Tierfreund, wenn wir stundenlang engagiert über artgerechtes Futter diskutieren, aber unser Beitrag in Sachen artgerechtes Leben für unseren Vierbeiner in der Hundeausbildung besteht?

Wir sollten anfangen, die sachkundige Ausbildung und Schulung des Teampartners Mensch in den Vordergrund unserer Bemühungen zu stellen. Bisher ist sie zu oft Beiwerk und Dekoration von Hundetraining.

Die Diskussion über Triebe und Verhalten des Hundes steht so sehr im Vordergrund der öffentlichen Diskussion, dass die Auswirkungen des Verhaltens des Menschen auf seinen Hund zu oft unberücksichtigt bleiben. Wann fangen wir an, dies zu ändern?

Wir sollten damit beginnen, eine andere Form der Verantwortung für das Zusammenleben mit diesem wunderbaren Lebewesen zu übernehmen. Verantwortung fängt schon bei der Wahl einer bestimmten Rasse an.

Verantwortung heißt hier aber auch, uns der Auswirkungen auf andere bewusst zu sein, die nicht mit einem Hund zusammenleben möchten.

Und, um mit einem Zitat zu schließen:

„Verantwortung für einen Hund zu übernehmen, bedingt die Fähigkeit zu erkennen, wann und wie in sein Verhalten eingegriffen werden sollte – oder eben auch mal nicht. Es ist die Fähigkeit, Antworten für seine Fragen zu haben und ihn in entscheidenden Situationen nicht sich selbst zu überlassen.“
Michael Grewe

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